Editorial der Selbsthilfe Ausgabe 01-2007

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Editorial der "selbsthilfe", Ausgabe 01/2007

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Ein Portätfoto von Elisabeth Fischer

Haben Sie schon einmal „Europäisches Jahr der Chancengleichheit" gegoogelt und sind schließlich auf der Homepage der EU gelandet? Besonders wichtig scheint das Europäische Jahr der Chancengleichheit - legt mensch die Aktualität der dort veröffentlichten Informationen zu Grunde - nicht zu sein.

Und auch der Veranstaltungskalender zum Europäischen Jahr ist beim Thema Behinderung ganz schön dünn. Es gibt einen Hinweis, dass im Juni 2007 in Deutschland eine „Ministerkonferenz über Behinderungen" stattfinden soll - Details Fehlanzeige. Und im Dezember ist anlässlich des Europäischen und Welttages der Menschen mit Behinderungen am 3. und 4. Dezember eine Konferenz in Brüssel geplant. Immerhin steht der Termin fest. Mehr konnte ich im offiziellen Veranstaltungskalender zum Thema Behinderungen nicht finden.

Offiziell eröffnet wurde das Europäische Jahr der Chancengleichheit im Rahmen des „Gleichstellungsgipfels" Ende Januar in Berlin. Mit einer zweitägigen Konferenz rund um die Themen Diskriminierung und Chancengleichheit startete die deutsche EU-Ratspräsidentschaft zusammen mit der Europäischen Kommission in das EU-Jahr, das zu einer gerechten Gesellschaft beitragen will. Doch mensch konnte den Eindruck gewinnen, dass bei dieser Eröffnungsveranstaltung das Thema Behinderung im EU Jahr eigentlich keine Rolle spielt und Barrierefreiheit kein Thema ist. Nur eine kleine Beobachtung am Rande: Die Bühne beim ersten Gleichstellungsgipfel war nicht barrierefrei gestaltet...

„Dieses Jahr ist in keiner Weise vergleichbar mit dem Europäischen Jahr der Menschen mit Behinderungen 2003. Damals hat die Bundesregierung nicht zuletzt mit der Ernennung von Horst Frehe zum Koordinator und der Bereitstellung von Geldern eine Priorität auf das Jahr und auch die Inhalte gesetzt", erinnerte der blinde Journalist Ottmar Miles-Paul auf einer Veranstaltung unter dem Motto „Chancengleichheit für alle".

Behinderte Menschen und ihre Organisationen müssen selbst dafür sorgen, dass Chancengleichheit, Gleichstellung und Integration in der Öffentlichkeit nicht allein mit Themen wie Rassismus und Fremdenfeindlichkeit, der Benachteiligung von Frauen und älteren Menschen, Homosexualität und Religionszugehörigkeit verbunden werden, sondern dass zu der großen Gruppe benachteiligter Menschen in Europa auch Menschen mit Behinderung und chronischer Krankheit gehören.

Ein möglicher Silberstreif ist, dass ab dem 30. März das Übereinkommen der Vereinten Nationen über die Rechte behinderter Menschen am UN-Sitz in New York von den Mitgliedsstaaten unterzeichnet werden kann. „Die Konvention bildet einen Meilenstein für die über 600 Millionen behinderter Frauen, Kinder und Männer auf der Welt, weil sie völkerrechtsverbindlich klar macht: Behinderte Menschen haben ein unveräußerliches Recht auf ein selbstbestimmtes Leben", betont die Behindertenbeauftragte Karin Evers-Meyer. Deutschland war bei der Zeichnungszeremonie am 30. März die Behindertenbeauftragte und den Parlamentarischen Staatssekretär im Bundesministerium für Arbeit und Soziales, Franz Thönnes, vertreten.

Abschließend möchte ich Sie noch auf eine Veranstaltung hinweisen. So bietet die BAG SELBSTHILFE in diesem Jahr auch eine Veranstaltung zum Thema Chancengleichheit an. Am 30. Oktober 2007 findet im Gustav-Heinemann-Haus das „Bonner Forum: Was geht uns das an? - Die Bedeutung von Gender Mainstreaming für die Arbeit der Selbsthilfe behinderter und chronisch kranker Menschen" statt. Dann wollen wir den etwas sperrigen Begriff des „Gender Mainstreaming" erklären und deutlich machen, wie die Chancengleichheit von behinderten und chronisch kranken Männern und Frauen mit Hilfe von „Gender Mainstreaming" verbessert werden kann. Karin Evers-Meyer, die Beauftragte der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen, hat ihre aktive Teilnahme bereits zugesagt.

Elisabeth Fischer