Editorial der „selbsthilfe“, Ausgabe 3/2006

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Editorial der „selbsthilfe“, Ausgabe 3/2006

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Ein Portätfoto von Elisabeth Fischer

Die Gesundheitsreform wird um drei Monate verschoben und soll erst am 1. April 2007 wirksam werden. Seitdem Bundeskanzlerin Angela Merkel dies am 6. September verkündet hat, ist das Gezerre um die Eckpunkte zur Gesundheitsreform in vollem Gange. Und dabei gebärden sich die Koalitionspartner, als hätten sie zuvor nicht am Verhandlungstisch gesessen und dieses Papier in mühevollem Ringen gemeinsam erarbeitet. Dass die Verhandlungen mühevoll waren, kann sich wohl jeder bei so gegensätzlichen Modellen wie der Bürgerversicherung auf der einen und der Kopfpauschale auf der anderen Seite vorstellen.

Dabei waren die politisch Verantwortlichen bereits mit den ersten Gesetzesentwürfen befasst. Allerdings fiel gleich der 1. Arbeitsentwurf, der viele PolitikerInnen am 17. August in der Parlamentspause „überraschte“, durch. Die Diskussion um den 2. Entwurf, den das Ministerium Anfang September nachlegte, führte schließlich dazu, dass sich die Kanzlerin veranlasst sah, die Verschiebung vom 1. Januar auf den 1. April 2007 zu verkünden. Seitdem hat sich die geplante Gesundheitsreform zum Dauerbrenner in Politik und Medien entwickelt.

Den Selbsthilfeorganisationen behinderter und chronisch kranker Menschen bietet dies die Gelegenheit, sich noch einmal genauer mit der Frage zu beschäftigen, welche Auswirkungen die Reformpläne auf ihre Mitglieder haben werden. Diese Frage tritt in der öffentlichen Diskussion nämlich völlig in den Hintergrund. Die Eckpunkte zur Gesundheitsreform enthalten jedoch neben dem Fondsmodell noch zahlreiche weitere Vorhaben, die das Versorgungsgeschehen gerade für chronisch kranke und behinderte Menschen verändern können. Dr. Martin Danner, Leiter des Referats Gesundheitspolitik und Selbsthilfeförderung bei der BAG SELBSTHILFE, hat noch einmal die wichtigsten Punkte zusammengefasst. Außerdem haben wir die behindertenpolitischen SprecherInnen der im Bundestag vertretenen Parteien gebeten, zu den Eckpunkten Stellung zu nehmen.

Ein positives Beispiel für die Darstellung behinderter Menschen in den Medien war die Berichterstattung zur Fußballweltmeisterschaft der Menschen mit Lernschwierigkeiten. Neben der Quantität, die sich in der Berichterstattung im Morgenmagazin über die Live-Schaltung im WDR-Fernsehen bis zum Ergebnishinweis in Tagesschau, Heute Journal und Tagesthemen niederschlug, hat sich auch die Qualität geändert. So wurde darauf hingewiesen, dass es sich bei so genannten geistig Behinderten um Menschen mit Lernschwierigkeiten handelt, und die behinderten Nationalspieler kamen selbst zu Wort, zeigten sich professionell und räumten mit Vorurteilen auf: im Spielerinterview direkt nach dem Spiel war für mich als eher desinteressierter Fußball-Laiein nicht zu unterscheiden, ob es sich um einen Spieler mit oder ohne Lernschwierigkeiten handelt.

Dass Menschen mit unterschiedlichsten Behinderungen auch nur ein Teil von Vielfalt sind, soll sich in Zukunft deutlicher in allen Angeboten des Westdeutschen Rundfunks (WDR) zeigen. Der Rundfunkrat des größten ARD-Senders hat einstimmig Empfehlungen zur Integration von Menschen mit Behinderungen beschlossen. Die Berichterstattung zur Fußball-WM fand unter Federführung des WDR statt und zeigt, der Sender ist auf dem richtigen Weg. Wie nachhaltig sich die Rundfunkratsempfehlungen entwickeln, wird die Zukunft zeigen.

Ein weiteres Thema dieser Ausgabe ist wie immer um diese Jahreszeit die Vorschau auf die REHACARE International 2006, die in diesem Jahr zum 17. Mal in den Düsseldorfer Messehallen stattfindet. Auch dieses Jahr ist die BAG SELBSTHILFE mit zahlreichen Mitgliedsverbänden auf dem Gemeinschaftsstand in Halle 6 vertreten und lädt wie immer ins Cafe Forum ein, wo neben Informationen auch für das leibliche Wohl gesorgt wird.

Zum Abschluss noch eine Anmerkung in eigener Sache: Die „Selbsthilfe“ wird bunt, und das freut mich sehr. Nun interessiert mich, wie Ihnen die Gestaltung unserer Zeitschrift im Vier-Farb-Druck gefällt. Selbstverständlich können Sie auch zu anderen Themen Leserbriefe verfassen, gern auch per E-Mail an elisabeth.fischer@bag-selbsthilfe.de. Ich bin gespannt.

Elisabeth Fischer