Menschen mit Behinderungen in Finanzkrise nicht vergessen

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Menschen mit Behinderungen in Finanzkrise nicht vergessen

Behindertenrat fordert Investitionen in barrierefreie Infrastruktur und inklusive Bildung

3.12.2008. "Menschen mit Behinderungen drohen die ersten Leidtragenden der Wirtschafts- und Finanzkrise zu werden. Die Bundesregierung muss daher Maßnahmen ergreifen, um dies zu verhindern!".

Das forderte Walter Hirrlinger, Vorsitzender des Deutschen Behindertenrates (DBR ) anlässlich des Internationalen Tages der Menschen mit Behinderungen. Hirrlinger warnte die Bundesregierung vor Kürzungen im sozialen Bereich und verlangte Investitionen in eine barrierefreie Infrastruktur und inklusive Bildung.

"Durch Investitionen beispielsweise in barrierefreie Bahnhöfe, Busse und Bahnen wird die Gesellschaft fit gemacht für den demografischen Wandel. Dies dient auch älteren und mobilitätseingeschränkten Menschen" , sagte Hirrlinger. Er forderte die Bundesregierung auf, ihren Widerstand gegen die europäische Antidiskriminierungsrichtlinie aufzugeben. Diese Richtlinie verlangt vom Handel, Ärzten und der Wohnungswirtschaft, mehr für die Barrierefreiheit zu tun als bisher. Staatliche Förderprogramme nach österreichischem Vorbild könnten Initiativen in diesem Bereich unterstützen.

Zugleich ist die Benachteiligung behinderter Kinder im deutschen Schulsystem ungebrochen. "Wenn nur 16 Prozent aller behinderten Kinder integriert unterrichtet werden, ist das beschämend" , meinte Hirrlinger. Die Politik müsse den Ankündigungen endlich Taten folgen lassen und mehr in individuelle sonderpädagogische Förderung und Schulassistenz investieren. Dies fordere immerhin auch die UN -Konvention zum Schutz der Rechte von Menschen mit Behinderungen.

Die Vereinten Nationen haben den 3. Dezember jeden Jahres zum Internationalen Tag der Menschen mit Behinderung erklärt. An diesem Tag soll der Öffentlichkeit ins Bewusstsein gebracht werden, dass Menschen mit Behinderungen vielfältigen Benachteiligungen ausgesetzt sind. So behindern Barrieren die Mobilität oder die Kommunikation und Eltern behinderter Kinder dürfen nicht frei wählen, welche Schule ihr Kind besucht. 77 Prozent der Sonderschüler verlassen die Schule ohne Hauptschulabschluss und die Arbeitslosigkeit von Menschen mit Behinderungen ist 50 Prozent höher als die nicht behinderter Menschen.

Turnusgemäß übergab Hirrlinger sein Amt als DBR -Vorsitzender für das kommende Jahr an Hannelore Loskill, stellvertretende Bundesvorsitzende der BAG Selbsthilfe.
(Karin Flothmann)