Werbung für Psychopharmaka zwischen den Mainzelmännchen? BAG SELBSTHILFE e.V. regiert mit Unverständnis auf die geplante Liberalisierung des Heilmittelwerbegesetz (HWG).
Vom 18.07.2011 in „Pressemitteilungen“.
Medienberichten
zu Folge sieht ein erster Arbeitsentwurf von Bundesgesundheitsminister Daniel
Bahr (FDP) zum neuen HWG vor, den Pharmaherstellern mehr Spielraum bei der
Werbung für Arzneimittel einzuräumen. Selbst das bislang strikte Verbot zur
Verwendung von Patientenschicksalen in Kampagnen soll gelockert werden. Die BAG
SELBSTHILFE reagiert mit Unverständnis auf diese Pläne.
„Damit
ist praktisch der Weg für die Industrie geebnet, Ärzte und Apotheker umgehen
und ihre Medikamente ungefiltert beim Patienten anpreisen zu dürfen. Das ist gefährlich
und birgt großes Suchtpotential“, warnt Dr. Martin Danner,
Bundesgeschäftsführer der BAG SELBSTHILFE. „Gerade wenn es zutrifft, dass für
Arzneimittel gegen Schlaflosigkeit und zur Beeinflussung der Stimmungslage künftig
kein Werbeverbot mehr gelten soll.“ Beide Gruppen dürfen bislang außerhalb der
Fachkreise überhaupt nicht beworben werden. Auch die Schilderung von
Patientenschicksalen zu Werbezwecken sieht der Geschäftsführer der
Bundesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe von Menschen mit Behinderung und
chronischer Erkrankung und ihren Angehörigen e.V.
als ethisch verwerflich. „Mit den geplanten Lockerungen macht sich
Gesundheitsminister Bahr wieder einmal zum Handlanger der Pharmakonzerne.“
Der
Arbeitsentwurf des BMG zum Heilmittelwerbegesetz soll darüber hinaus Herstellern
ermöglichen, künftig auch mit `Gutachten,
Zeugnissen, wissenschaftlichen oder fachlichen Veröffentlichungen sowie mit
Hinweisen darauf` für ihre Produkte werben dürfen. Dabei sieht das HWG
bislang vor, dass auf Studien nur Bezug genommen werden kann, wenn sie von `wissenschaftlich oder fachlich hierzu
berufenen Personen` durchgeführt wurden. „Aus gutem Grund“, weiß Dr.
Martin Danner „denn es ist ja ein Leichtes für die Pharmaindustrie, eigene
Studien durchzuführen. Und zu glauben, dass diese Studien ohne externe
Kontrolle, wissenschaftlich neutralen Kriterien folgen würden, wäre wirklich
sehr naiv.“
Auch der Verweis auf eine kommende EU-Richtlinie ist irreführend. „Denn diese
Pläne des BMG schießen weit über die EU-Vorgaben hinaus“, macht der
Bundesgeschäftsführer deutlich.
