Interne Evaluation zur Auswertung und Weiterentwicklung der Arbeit von Selbsthilfeorganisationen

Laufzeit:Seit Juli 2018
Förderung:Das Projekt wird mit Förderung durch die BARMER durchgeführt.

Projektpartner

BAG SELBSTHILFE e.V.
Christine Kirchner, Organisationsentwicklung & Coaching

Projektbeschreibung

Ausgangslage

Selbsthilfeorganisationen sind angesichts des häufig langjährigen Bestehens komplexe Gebilde mit vielfältigen Aufgaben. Außerdem sind sie inzwischen anerkannter Partner vieler Akteure im Gesundheitssystem und nutzen zahlreiche Möglichkeiten sich zu beteiligen und das Gesundheitswesen mitzugestalten.

Nicht selten führt dies zu einem Spagat zwischen vorhandenen Ressourcen und den Maßnahmen, die Selbsthilfeorganisationen umsetzen wollen. Es stellt sich die Frage, mit welchen Mitteln welche Aufgaben effektiv und effizient übernommen werden können und wie die Qualität der Selbsthilfearbeit sichergestellt, sichtbar gemacht und weiterentwickelt werden kann. Auch außerhalb der Selbsthilfe, etwa seitens der gesetzlichen Krankenkassen und anderer Zuwendungsgeber, ist diese Frage von Bedeutung.

Antworten auf diese Frage zu finden, das soll nicht wiederum erhebliche Ressourcen der Selbsthilfe zur Bedingung haben. Deshalb verfolgt die BAG SELBSTHILFE in diesem Projekt den Ansatz, Möglichkeiten der internen Evaluation in Selbsthilfeorganisationen anhand von bestimmten Gegenständen und Instrumenten zu untersuchen.

Grundlage sind frühere Projekte zum Themenbereich „Instrumente der Selbstevaluation und der internen Evaluation bei Selbsthilfeorganisationen chronisch kranker und behinderter Menschen“. Diese Projekte haben anhand von ausgewählten Gegenständen und Instrumenten der internen Evaluation erprobt, in welcher Weise Selbsthilfeorganisationen Evaluation eigenständig nutzen und davon profitieren können. Sie bestätigten, dass in Selbsthilfeorganisationen weiterer Bedarf besteht, Instrumente anhand konkreter Gegenstände zu erproben.

Ziele und Vorgehensweise

Hauptziel ist es, die Methodik der Internen Evaluation in Bezug auf ausgewählte Gegenstände für die Arbeit der Selbsthilfeorganisationen nutzbar zu machen und sie zu implementieren. Zielgruppe des Projektes sind Mitgliedsverbände der BAG SELBSTHILFE. Teils werden in der Arbeit der teilnehmenden Selbsthilfeorganisationen Instrumente aus den Vorläuferprojekten weiter vertiefend erprobt, teils werden neue Instrumente vorgestellt und ihre Nutzbarkeit überprüft und nach Bedarf angepasst.

Die Selbsthilfeorganisationen werden bei der Umsetzung einzelner Prozeduren und ihrer Arbeit mit methodischen Instrumenten von der Projektpartnerin Christine Kirchner begleitet mit der Zielstellung, dass sie die Instrumente, mit denen sie im Verlauf des Projektes gearbeitet haben, eigenständig nutzen können.

Es wird zwischen einfachen und komplexeren Evaluationsgegenständen unterschieden. Das besondere Ziel hinsichtlich der komplexeren und methodisch aufwändigeren Evaluationsgegenstände liegt darin zu ermitteln, wie Effekte von Selbsthilfemaßnahmen im Bereich Psychosoziales intern evaluiert werden können.

Im Ergebnis geht es darum, in einzelnen Organisationen erprobte gute Praktiken interner Evaluation zu gewinnen und für die Verbreitung zur Verfügung zu stellen.

Parallel zur Umsetzung des Projektes in ausgewählten Selbsthilfeorganisationen wird fachübergreifend Literatur zu anwendungsorientierteren Methoden ausgewertet und es werden Fachveröffentlichungen entstehen.

Geplante Maßnahmen

Aus den Vorläuferprojekten konnten erfolgreich exemplarische Vorgehensweisen zur internen Evaluation bestimmter Gegenstände gewonnen werden. Die Organisationsentwicklerin Christine Kirchner begleitet den Transfer dieser schon erprobten Evaluationen in weitere Selbsthilfeorganisationen. Es werden außerdem in 2019 neue Evaluationsgegenstände und Evaluationsinstrumente in ausgewählten Selbsthilfeorganisationen erprobt.

Die mit diesen Schritten erreichten Ergebnisse und Beispiele guter Praxis werden Ende 2019 im Rahmen einer Fachtagung präsentiert. Ab 2020 wird der Kreis der beteiligten Selbsthilfeorganisationen und das Methodenspektrum erweitert. Abschließend werden den Mitgliedsverbänden der BAG SELBSTHILFE Materialien zur Verfügung gestellt zur Unterstützung der weiteren eigenen Evaluationsaktivitäten.

Instrumente der Selbstevaluation und der internen Evaluation bei Selbsthilfeorganisationen chronisch kranker und behinderter Menschen (01.09.2013 - 30.06.2018)

Hintergrund und Ziele

Die Selbsthilfeorganisationen stellten fest, dass mit der zunehmenden Bedeutung der Selbsthilfe eine erhebliche Ausweitung des Aufgabenspektrums verbunden ist. Um weiterhin ihrem Anliegen gerecht werden zu können, möglichst weitreichende Erfolge für Menschen mit Behinderung und chronischer Erkrankung zu erzielen, fragten sie sich, wie sie die eigene Arbeit möglichst erfolgreich gestalten können.

Die BAG SELBSTHILFE als Dachverband griff diese Frage auf und führte für ihre Mitgliedsorganisationen mit Unterstützung der BARMER Projekte über fachliche und konzeptionelle Grundlagen der Evaluation der Selbsthilfe und über die praktische Erprobung konkreter Instrumente durch.

Ziele der Projekte waren zum einen, die Voraussetzungen zu klären, unter denen Selbsthilfeorganisationen ihre Aktivitäten evaluieren können und passende fachliche Grundlagen zu identifizieren. Zum anderen ging es darum, die Konzeption von Evaluation einzugrenzen. Schließlich galt es, konkrete Gegenstände auszuwählen, Instrumente hinsichtlich ihrer Tauglichkeit zu testen und für die spezifischen Bedarfe der sozialen Organisation anzupassen. Außerdem waren notwendige Veränderungen im Aufgabenspektrum und Auftreten der Selbsthilfeorganisation abzuleiten.

Methodisches Vorgehen und Ergebnisse der Projekte

Die Projekte fußten methodisch auf verschiedenen Instrumenten. Entscheidend für die Ergebnisse war die Beteiligung der Mitgliedsverbände an der Erarbeitung der fachlichen und konzeptionellen Anforderungen, an der praktischen Erprobung und der Erarbeitung der Projektergebnisse.

Genutzt wurden Workshops, Fachtagungen und eine umfangreichen Verbandsbefragung. Theorie- und praxisbezogene Recherchen ermöglichten einen reflektierten Rahmen für das Vorgehen in den Projekten (Evaluationsmodelle, Best Practice Beispiele in den Mitgliedsverbänden der BAG SELBSTHILFE).

Über fachliche Recherchen und Expertengespräche wurde festgelegt, dass interne Evaluation im Rahmen der Selbsthilfe der geeignete Ansatz ist. Denn Selbsthilfeorganisationen sind strukturell äußerst vielgestaltig und ihre Arbeitsweisen sind komplex. Eine umfangreiche externe (wissenschaftliche) Evaluation wäre insofern keine zielführende Herangehensweise. Statt dessen entschied die BAG SELBSTHILFE, Möglichkeiten der internen Evaluation in Selbsthilfeorganisationen zu untersuchen und zu erproben.

Für das weitere Vorgehen wurde das leitende Konzept interner Evaluation bestimmt: Evaluation kann verstanden werden als ein Prozess des systematischen Zusammentragens und Auswertens von Daten bzw. Informationen mit dem Ziel, an Kriterien orientierte, begründete und nachvollziehbare Bewertungsurteile zu ermöglichen. Indem eine Organisation sich selbst evaluiert – indem also die Personen, die eine Maßnahme oder ein Projekt durchführen, die Evaluation ihrer eigenen Arbeit selbst steuern (Selbstevaluation), oder indem die Evaluation ihrer Arbeit von anderen Organisationsmitgliedern gesteuert wird (interne Fremdevaluation) - kann die Qualität der gesundheitsbezogenen Selbsthilfearbeit vergleichsweise ressourcenschonend sichtbar gemacht, sichergestellt und weiterentwickelt werden.

In diesem Zusammenhang entstand der Leitfaden „Selbstevaluation und interne Fremdevaluation in der Selbsthilfe“.

Download Leitfaden „Selbstevaluation und interne Fremdevaluation in der Selbsthilfe“  Dieses Dokument in neuem Tab öffnen und vorlesen

Damit war der Grundstein für praktische Zielstellungen gelegt. In 2016 und 2017 begleitete die Organisationsentwicklerin Frau Kirchner verschiedene Mitgliedsverbände bei der Durchführung der praktischen Erprobung konkreter Evaluationsgegenstände und Evaluationsinstrumente.

Bis zu diesem Zeitpunkt lag der Schwerpunkt auf internen Evaluationen einfacher Gegenstände bzw. Produkte (zum Beispiel „Newsletter“). Die Zielstellung erweiterte sich darüber hinaus in 2017 und 2018 auf erste Erprobungen von komplexen Evaluationsgegenständen bzw. Interaktionen (zum Beispiel „Effekte von Selbsthilfegruppen“ und „Netzwerkevaluation“).

Im Ergebnis wurden die zwei Konzeptpapiere zu „Evaluationsmethoden bei komplexen Selbsthilfeinteraktionen“ und zu „Netzwerkevaluation bei Selbsthilfeorganisationen behinderter und chronisch kranker Menschen“ für Transfervorhaben erarbeitet.

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Download Konzeptpapier „Netzwerkevaluation bei Selbsthilfeorganisationen behinderter und chronisch kranker Menschen“  Dieses Dokument in neuem Tab öffnen und vorlesen

Foto Dr. Petra Schmidt-Wiborg

Kontakt

Dr. Petra Schmidt-Wiborg

Projektmitarbeiterin

Tel.: 0211 31006-59
Fax: 0211 31006-66
Mail: petra.schmidtwiborg@bag-selbsthilfe.de

Büro Berlin
Mariendorfer Damm 159
12107 Berlin