Was bedeutet Neutralität und Unabhängigkeit?

Die Forderung nach „Neutralität und Unabhängigkeit“ ist schnell ausgesprochen und erscheint auch auf Anhieb als plausibel.

Bei näherem Nachdenken treten aber zumeist Fragezeichen auf: Sind wir nicht alle in unserem Handeln von Ressourcen und vom Zusammenwirken mit anderen abhängig? Wann ist eine Unterstützung durch einen Dritten eine willkommene Entlastung und wann eine Bedrohung?

Wir kommen dem Thema schon näher, wenn wir uns auf den Grundgedanken der Selbsthilfe besinnen: Die gegenseitige Unterstützung chronisch kranker und behinderter Menschen und ihrer Angehörigen.

Ihre Interessen gilt es zu vertreten, ihre Unterstützung und Stärkung soll mit den Angeboten der Selbsthilfe erreicht werden.

Abhängigkeit von Dritten würde bedeuten, dass diese Dritten in der Lage wären, die Interessenvertretung für die Betroffenen und die Ausrichtung von Unterstützungsangeboten für die Betroffenen zu bestimmen.

Dies darf nicht sein. Unabhängigkeit bedeutet, dass diejenigen, die kraft der vereinsrechtlichen Regelungen in der Selbsthilfe Verantwortung tragen, stets die volle inhaltliche Kontrolle über ihre Arbeit behalten.

Ganz entsprechend verhält es sich mit der „Neutralität“. Natürlich tritt die Selbsthilfe für die Anliegen ihrer Mitglieder ein. Sie ist in diesem Sinne nicht „neutral“. Die Verantwortlichen in der Selbsthilfe werden aber niemals vorgefertigte Meinungen oder gar Forderungen anderer einfach deshalb übernehmen, weil sie Förderer oder Geldgeber einen Gefallen tun wollen.

Neutralität und Unabhängigkeit sind somit zwei Seiten einer Medaille.