Düsseldorf, 28. Juli 2026 – Die BAG SELBSTHILFE gratuliert Carsten Linnemann zu seiner designierten Ernennung zum Bundesminister für Gesundheit. Mit dem Wechsel an der Spitze des Ministeriums verbindet die Interessenvertretung chronisch kranker und behinderter Menschen die klare Erwartung, dass nun die dringend notwendigen Strukturreformen im Gesundheitswesen angegangen werden. Dabei müssen die Patient*innen und ihre konkreten Bedürfnisse konsequent im Mittelpunkt stehen.
Die BAG SELBSTHILFE hat den notwendigen Reformbedarf im Gesundheitswesen und die strukturellen Defizite in der gesundheitlichen Versorgung immer wieder benannt und auf die Folgen für Patient*innen hingewiesen. Jetzt kommt es darauf an, aus den bekannten Herausforderungen konkrete politische Entscheidungen und nachhaltige Reformen zu machen. Das wird angesichts unterschiedlicher Interessen und erheblicher finanzieller Herausforderungen nicht einfach sein. Umso mehr braucht es den politischen Mut, notwendige Veränderungen tatsächlich anzugehen und dabei die Interessen der Patient*innen zum Maßstab zu machen.
„Wir reden bei der Gesundheitspolitik nicht von abstrakten Sozialabgaben, sondern von den konkreten Bedarfen von Menschen, von chronisch kranken und behinderten Menschen. Wir haben die Erwartung, dass bei den Reformen die Patient*innen in den Fokus gestellt werden“, betont Dr. Martin Danner, Bundesgeschäftsführer der BAG SELBSTHILFE.
Die Dimension der Aufgabe darf dabei nicht unterschätzt werden. Chronische Erkrankungen und Behinderungen prägen das Leben eines erheblichen Teils der Bevölkerung – direkt oder mittelbar. Fast jeder 4. Mensch ist betroffen. Hinzu kommen Millionen pflegende Angehörige, die täglich Verantwortung für ihre Familienmitglieder übernehmen und vielfach selbst erheblichen Belastungen ausgesetzt sind. Sie alle sind auf ein verlässliches, leistungsfähiges und zugängliches Gesundheitswesen angewiesen.
Diese Menschen sind nicht nur Patient*innen, sondern auch Bürger*innen und Wähler*innen. Ihre Erfahrungen und Bedürfnisse müssen deshalb in der Gesundheitspolitik eine deutlich größere Rolle spielen. Das gilt insbesondere für Menschen mit chronischen Erkrankungen und Behinderungen sowie für pflegende Angehörige, deren Perspektiven bei Reformvorhaben bislang vielfach nicht ausreichend berücksichtigt werden. Insbesondere die Verhinderungspflege trägt in hohem Maße zur Entlastung der pflegenden Angehörigen bei; hier müssen gegenüber dem Referentenentwurf des PNOG dringend noch Nachbesserungen stattfinden. Gleiches gilt für die Finanzierung der Rentenpunkte für pflegende Angehörige.
Die BAG SELBSTHILFE erwartet daher von der neuen Leitung des Bundesgesundheitsministeriums, dass die anstehenden Reformen nicht allein unter dem Gesichtspunkt der Finanzierbarkeit betrachtet werden. Entscheidend ist, ob sie die Versorgung der Menschen tatsächlich verbessern, Barrieren abbauen, den Zugang zur gesundheitlichen Versorgung sichern und die besonderen Bedarfe chronisch kranker und behinderter Menschen berücksichtigen.
„Einfach mal machen kann ein guter politischer Anspruch sein. Im Gesundheitswesen muss daraus aber vor allem eines werden: endlich nachhaltig reformieren. Wir brauchen keine weiteren kurzfristigen Reparaturen am bestehenden System, sondern eine echte Strukturreform mit einer klaren Orientierung an den Menschen, die auf unser Gesundheitswesen angewiesen sind“, so Danner.
Die BAG SELBSTHILFE bietet dem designierten Bundesgesundheitsminister einen konstruktiven Dialog an. Die Perspektive der Betroffenen muss dabei von Beginn an einbezogen werden. Denn nur wer die Erfahrungen und Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten, der Menschen mit Behinderungen, der chronisch kranken Menschen und der pflegenden Angehörigen berücksichtigt, kann ein Gesundheitswesen zukunftsfest gestalten.
Mit freundlichen Grüßen
Burga Torges
Referatsleitung Presse- & Öffentlichkeitsarbeit
BAG SELBSTHILFE
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